„So tricksen Zahnärzte“ – Unter dieser Überschrift veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in Ihrer Ausgabe vom 29.04.2012 einen ganzseitigen Artikel über „unnötige Behandlungen, überteuerte Implantate, unverständliche Rechnungen.

Und was lesen wir dann? Die Schilderung eines Einzelfalls, von dem der Leser nicht weiß, ob er so tatsächlich stattgefunden hat. Eine Patientin deren „Kostenvoranschlag“ (für künftige Artikel werte FAS: Das heißt Heil- und Kostenplan!) niedriger war als die später tatsächlich entstandenen Kosten.

Der Schilderung des Einzelfalls folgt die Feststellung: „Solche Fälle kommen immer mal wieder vor.“ Und das ganze gipfelt in dem lapidaren Satz: „Wie oft Zahnärzte bei der Abrechnung tricksen, weiß niemand.

Schließlich stellt auch der Autor des Artikels, Herr Dyrk Scherff, fest, dass 91% der Patienten laut Umfrage des Allensbacher Instituts  mit ihrem Zahnarzt zufrieden sind und dass die „große Mehrzahl der Zahnärzte offenbar korrekt abrechnet“.

Trotzdem schreibt er gleich einen Satz später wieder von „Tricksereien“ und dass es Zahnärzte gebe, die „ihre Kalkulationsspielräume zu Lasten des Kunden ausdehnen„.

Zu guter Letzt suggeriert er dann am Ende seines Artikels, dass die GOZ-Reform zum Jahreswechsel eine Kostensteigerung zwischen 30 und 100% verursacht habe.

Bei allem Respekt: Dieser Artikel wird sicher nicht in die Liste Ihrer besseren Artikel aufgenommen werden, Herr Scherff.

Man könnte auch sagen: So tricksen Journalisten! 

Da wird mit einer reißerischen Überschrift eine ganze Berufsgruppe in Misskredit gebracht. Im Artikel selbst geben Sie,  Herr Scherff,  zu, dass Sie Ihre  rufschädigende Überschrift mit keinen belastbaren Fakten untermauern können. Gleichwohl schaffen Sie es eine ganze Seite mit Vermutungen, Halb- und schließlich auch Unwahrheiten zu füllen.

Hätte Sie, Herr Scherff, seriös recherchiert, hätten Sie vielleicht auch etwas dazu geschrieben,  dass der Punktwert in der GOZ trotz der immensen Kostensteigerungen seit 1987 nicht erhöht wurde. Vielleicht hätten Sie auch erwähnt, dass  der GOZ Punktwert nicht einmal an den Punktwert der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) angepasst wurde. Ganz sicher hätten Sie erwähnen müssen, dass mit der neuen GOZ ein Honoravolumenanstieg von lediglich 6% verbunden ist. Ein einfacher Blick auf die Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums hätte gereicht, um das herauszufinden.

Faktencheck gefällig Herr Scherff? Die Staatsanwaltschaften in Hessen haben seit  2002  mehr als 3.000 Ermittlungsverfahren geführt und dabei nach eigenen Angaben unrechtmäßige Gewinne in der gesamten(!) Medizinbranche von mehr als 7,5 Millionen Euro abgeschöpft. Bevor Sie jedoch von „Tricksereien“ DER Zahnärzte schreiben, sollten Sie die Zahl ins Verhältnis setzen zu den Gesundheitsausgaben in Hessen, die sich auf jährlich ca. € 18 Mrd. belaufen.

Berücksichtigt man dieses Verhältnis wird klar, dass die Berichterstattung über Ärzte oder Zahnärzte als „Trickser“ nichts anderes als Effekthascherei ist. Ja, es gibt schwarze Schafe. Wie in jeder anderen Berufsgruppe auch. Aber bei diesen handelt es sich um wirkliche Einzelfälle. Natürlich sind diese schwarzen Schafe zu verfolgen. Sie dürfen aber nicht als Grundlage genutzt werden, um eine ganze Berufsgruppe in Verruf zu bringen.

Schließlich nehmen wir Ihren Artikel auch nicht zum Anlass, um daraus Rückschlüsse auf die Tricksereien oder schlechte Recherchearbeiten  aller Journalisten zu ziehen.

Mit besten Grüße
Jens Pätzold

3 Antworten auf “So tricksen Zahnärzte? So tricksen Journalisten!”

  1. Sehr geehrter Herr RA Petzold, sehr geehrte Leser (Patienten),
    danke für die sachliche Darstellung. Auch wir Dentallabore haben immer mehr unter solchen Aussagen zu leiden. Schade das niemand so richtig recherchiert, besonders auch mal in einem Dentallabor, und berichtet welcher personelle Aufwand und welcher technische Aufwand hinter der Herstellung eines Zahnersatzes steht. Aus den ständigen Preisdiskussionen heraus haben wir unsere Angebotspalette um die mögliche Teilfertigung im lohngünstigeren Ausland bei gleichem Material und sehr gutem Qualitätsstandard erweitert. So sind wir, die http://www.dental-technik-schoch.de ,sowie die http://www.hello-dent.de, aber vorallem auch unsere deutschlandweiten Zahnarztkunden weit entfernt von überzogenen Forderungen, haben sehr zufriedene Patienten und vorallem verlieren keinen Patienten an einen günstigeren Anbieter oder gar ins nahe Ausland.
    So hat sich die dentale Welt leider verändert,aber wir denken einen guten Weg zum Vorteil aller gefunden zu haben.
    Schönen Tag
    Kai Schoch
    Zahntechnikermeister

  2. Vielen Dank Herr Schoch für Ihre Anmerkung.

    Herr Scherff hat in seinem Artikel die Dentallbore ebenfalls angesprochen und ausgeführt: „Gänzlich illegal sind hingegen Koppelgeschäfte zwischen Zahnärzten und Laboren. Dabei zahlen die Labore den Ärzten eine Art Provision dafür, dass sie sie ausgewählt haben. Die Labore holen sich die Zahlung durch erhöhte Abrechnungen beim Patienten zurück.“

    Ohne Frage ist das beschriebene Vorgehen illegal. Allerdings suggeriert Herr Scherff mit dieser Anmerkung, dass massenweise in dieser Form verfahren wird. Hinweise, wie oft so etwas tatsächlich vorkommt gibt Herr Scherff natürlich nicht. Ein Hinweis, dass dies nur in Ausnahmefällen vorkommt und von Zahnärztekammern und anderen Ermittlungsbehörden streng verfolgt wird, fehlt dem Artikel ebenfalls.

    Und damit gewinnt der Artikel natürlich weiter an Unseriosität.

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