In der Corona-Krise ist die zahnärztliche Versorgung ein Stiefkind bei den politischen Maßnahmen. Das überrascht grundsätzlich. Alle Bundesgesundheitsminister wurde in der Vergangenheit nicht müde, die großen Erfolge insbesondere in der Prophylaxe hervorzuheben. Deutschland ist in der gesamten dentalen Wirtschaft und Versorgung weltweit führend – nicht umsonst findet die Leitmesse IDS alle zwei Jahre in Köln statt.

In der Corona-Krise sitzen die Zahnärzte aktuell allerdings zwischen allen Stühlen: Sie sind auf der einen Seite Hochrisikogruppe hinsichtlich der Infektion und Verteilung von Coronaviren. Noch deutlich mehr als viele Humanmediziner. Durch die Arbeit am Mund-Rachenraum, durch die zahlreichen schleifenden Instrumente und die dabei freigesetzten Aerosole bestehen hohe Infektionsrisiken. Die Versorgung mit Schutzkleidung und Masken ist nur ungenügend. Auch das Desinfektionsmittel wird in vielen Praxen knapp. Andererseits besteht zumindest für die Vertragszahnärzte ein Sicherstellungsauftrag. Das bedeutet, dass sie Sprechstunden zu den üblichen Öffnungszeiten anbieten müssen.

Auch bei der Kinderbetreuung besteht Verwirrung: Bei einigen örtlichen Behörden gilt das Praxispersonal als „systemrelevant“ und darf seine Kinder weiter betreuen lassen – in anderen Kreisen und Städten ist dies nicht der Fall, was auch zu Ausfällen beim Personal führt.

Handlungsmöglichkeiten der Standesvertreter

Problematisch ist: Die Standesvertretungen – Zahnärztekammern, Bundeszahnärztekammer, Kassenzahnärztliche Vereinigungen, Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung – haben aktuell keine Handhabe, um hier rechtlich tätig werden zu dürfen. Entschädigungspflichtige Schließungen könnten nur durch die Gesundheitsbehörden nach dem Infektionsschutzgesetz vorgenommen werden. Daher ist so manche Wut gegen die Standesvertretungen, die derzeit vielfach zum Ausdruck gebracht wird, nicht richtig adressiert.

In anderen europäischen Ländern wurde bereits auf eine reine Notversorgung umgestellt. Die Standesvertretungen hierzulande haben umfangreiche Bemühungen entfaltet, die Situation der Zahnärztinnen und Zahnärzte bei der Politik sowie bei Krankenkassen deutlich zu machen, die von unterschiedlichem Erfolg gekrönt waren. Viele ZÄK und KZV-Funktionäre arbeiten hier sehr rührig und mit aller Kraft für die Interessen ihrer Mitglieder.

Fazit

Jedoch sollte man unseres Erachtens hier nicht stehen bleiben. Auf die Politik kann man sich aktuell nicht unbedingt verlassen, da deren Blick vor allem auf die Kliniken gerichtet ist. Gerade den Standesvertretungen sollte die Zeit jetzt auch gegeben werden, kreative politische und gesetzliche Lösungen zu erarbeiten, um in und vor allem nach der Krise die Existenz der Zahnarztpraxen zu sichern und zu verbessern. Und sie sollten deutlich machen, dass an den deutschen Zahnarztpraxen noch mehr hängt, als „nur“ das Praxispersonal, sondern ein gesamter international hervorragend aufgestellter Wirtschaftszweig. Fast geeigneter als Gesprächspartner erscheinen hier die Wirtschafts- als die Gesundheitsministerien.

Die Politik muss sich jedenfalls entscheiden: Die Zahnarztpraxen sind behördlich zu verpflichten zu schließen, oder aber die Versorgung der Zahnärzte mit der notwendigen Schutzkleidung und den notwendigen Schutzmasken muss sichergestellt werden. Eins von beidem muss aber geschehen. Und daran müssen wir arbeiten und dazu müssen wir aufrufen.

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