Unfassbar, wie KZBV, BZÄK und FVDZ hier am Bedarf der Zahnärzteschaft vorbei agieren. In einer Pressemeldung fordern diese drei gemeinsam, dass Zahnärzte künftig keine MVZs mehr gründen dürfen sollen (siehe angehängter Link). Und das Ganze wir garniert, durch falsche, politisch getriebene Informationen. Oder nennen wir es „alternative Fakten“.

– Da wird behauptet, die „Sicherstellung einer deutschlandweit gleichwertigen Versorgung“ werde durch zahmedizinische MVZs gefährdet. Woher soll denn diese Gefährdung kommen? Kein Wort dazu von den Herren „Standesvertretern“. Wenn die Versorgung gefährdet wird, dann doch nicht durch die MVZs, sondern vielmehr dadurch, dass die Niederlassung in ländlichen Gebieten jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten nicht schmackhaft genug gemacht wird. Oder auch dadurch, dass man es niedergelassenen Zahnärzten z.B. unnötig schwer macht, Zweigstellen zu gründen und diese z.B. durch angestellte Zahnärzte führen zu lassen. Die Liste ließe sich beliebig verlängern Die MVZs sind ganz sicher nicht das Problem.

– Da wird behauptet, zahnmedizinische MVZs „siedeln sich vor allem in Großstädten, Ballungsräumen und einkommensstarken ländlichen Gebieten an.“ Unsere Erfahrung aus über 100 Z-MVZ-Gründungen ist eine ganz andere. 51% der von uns gegründeten MVZs befinden sich in Städten mit weniger als 50.000 Einwohnern. Von welchen Großstädten und Ballungszentren reden denn die „Standesvertreter“ da?
Dazu kommt: Niemand „siedelt sich an“. Fakt ist, dass die MVZs allesamt zuvor als BAG organisiert waren. Die Praxen waren also schon immer da, haben sich jetzt nur einen anderen zulassunsrechtlichen Statuts gegeben. An der Versorgung in Deutschland hat sich also GAR NICHTS geändert.

Interessen der „Standesvertreter“?

– Da wird behauptet, die „dynamische Entwicklung der MVZ lässt zudem eine Sogwirkung auf potenziell niederlassungs- und anstellungswillige junge Zahnärztinnen und Zahnärzte befürchten“. Wenn das so ist, warum fördert man die MVZs dann nicht, wenn sie doch offenbar so attraktiv sind für junge Zahnärztinnen und Zahnärzte? Oder geht es etwa gar nicht um die Interessen dieser Zahnärztinnen und Zahnärzte sondern um eigene (politische) Interessen der „Standesvertreter“?

– Und schließlich wird behauptet, „unbegrenzte Anstellungsmöglichkeiten in MVZ führen zu Wettbewerbsvorteilen mit versorgungspolitisch kontraproduktiven Effekten: Fremdkapitalgeber und Finanzinvestoren forcieren die Kettenbildung in Ballungsräumen“. Über wie viele Fremdkapitalgeber und Finanzinvestoren reden wir tatsächlich? Zahlen, Fakten? Fehlanzeige. Aber vielleicht ist das auch zu viel erwartet. Selbst wenn es ein Fremdkapitalgeber schaffen würde, 1000 zahnärzte unter ein Dach zu zu packen (was nicht passieren wird), hätte dieser 1% Marktanteil. Wovor wird hier also Angst gemacht? Warum wird nicht endlich auch den BAGs die Möglichkeit gegeben, unbegrenzt anzustellen? Dies wäre durch eine einfache Änderung des Bundesmantelvertrages möglich. Das haben BZÄK und KZBV in der Hand. Damit würde man endlich die unsäglichen und haftungsträchtigen Juniorpartner aus den Praxen eliminieren und den Zahnärztinnen und Zahnärzten die Möglichkeit geben, ihre Praxen unternehmerisch sauber zu organisieren.

Warum schürt man hier einen Konflikt zwischen den verschiedenen Zulassungsformen, die das SGB V vorsieht? Statt Ressentiments gegen MVZs zu schüren, könnte man die gleiche Energie dafür aufwenden, Einzelpraxen und BAGs zu stärken. Damit wäre der Zahnärzteschaft wirklich gedient! Ideen dazu gibt es mehr als genug…

Nur gut, dass in Berlin derzeit niemand ein Ohr hat, für diese rückwärtsgewandten Forderungen.

Ich würde gerne all diese Punkte einmal mit den Vertretern von BZÄK, KZBV und/oder FVDZ diskutieren. Aber dort scheint an einem offenen Austausch gar kein Interesse zu bestehen. Vielmehr möchte man den Status Quo erhalten und verschließt sich damit den wirklichen Interessen der Zahnärzteschaft. Wenn doch Interesse an einem konstruktiven Austausch besteht und Interesse an anderen Meinungen besteht, fahre ich morgen nach Berlin. Ich würde mich über den Austausch freuen.

Ihnen allen ein schönes Wochenende.
Jens Pätzold

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