Bei der Berichterstattung im Zusammenhang mit Cannabis steht schon längst nicht mehr die illegale Kiffer-Szene in Deutschland im Vordergrund. Der Cannabis-Markt boomt und rückt immer mehr in das Interesse von Start-Ups und Investoren. Experten schätzen den Cannabis-Markt als besonders umsatzträchtig ein: das potenzielle Marktvolumen wird auf Beträge in Milliardenhöhe geschätzt. Insbesondere Investoren legen den Fokus auf diesen Markt und sehen dort sehr großes Wachstumspotential.

Medizinisches Cannabis auf Rezept

Cannabis ist in Deutschland illegal – das ist und bleibt bis auf weiteres so (§ 29 BtMG). Etwaige Befürworter der generellen Legalisierung von Cannabis konnten sich auch nach langjähriger Diskussion bisher nicht durchsetzen.

Allerdings ist Cannabis seit dem 10.03.2017 auf Rezept erhältlich und somit zur medizinischen Behandlung legal. Ärzte können nun bei schweren Erkrankungen Cannabis und Cannabis-Produkte auf Rezept verschreiben und Krankenkassen sind in der Kostenerstattungspflicht. Patienten erhalten nach entsprechender Rezeptverschreibung durch den Arzt ausschließlich in Apotheken Cannabis in kontrollierter Qualität und haben einen Anspruch auf Erstattung der Kosten gegenüber der eigenen Krankenkasse.

In einem Beschluss der Bundesregierung hieß es: „Schwerkranke Menschen müssen bestmöglich versorgt werden. Dazu gehört, dass die Kosten für Cannabis als Medizin für Schwerkranke von ihrer Krankenkasse übernommen werden, wenn ihnen nicht anders wirksam geholfen werden kann“ (Pressemitteilung des Bundesministeriums der Gesundheit vom 19.01.2017, Nr. 02).

Aus der Pressemitteilung wird bereits deutlich, dass eine Therapie mittels Cannabis stets nur dann in Betracht zu ziehen ist, wenn alle herkömmlichen Behandlungsmaßnahmen keinen Erfolg gezeigt haben.

Zu einer Verschreibung von medizinischem Cannabis kommt es hauptsächlich zur Schmerztherapie, insbesondere bei chronischen Schmerzen.

Berliner Start-Up darf Cannabis in Deutschland anbauen

Im April 2019 erteilte das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) drei Unternehmen den Zuschlag für Anbau und Ernte von Cannabis zu medizinischen Zwecken in Deutschland. Zu den Unternehmen zählen das Berliner Start-Up Demecan und die Unternehmen Aphria Deutschland GmbH und Aurora Produktions GmbH. Bei Letzteren handelt es sich um Tochterfirmen kanadischer Cannabis-Unternehmen. Erste Ernten werden Ende 2020 erwartet.

Im BfArM ist die Cannabisagentur für die Steuerung und Kontrolle des Cannabis-Anbaus zuständig. Ihre Aufgaben bestehen darin, den Anbau- und Ernte- sowie Verpackungsprozess zu überwachen und die Qualität zu kontrollieren. Im Anschluss an die Ernte nimmt die Cannabisagentur das Cannabis in Besitz und legt einen Herstellerabgabepreis fest und verkauft das Cannabis – ohne Gewinn – an Hersteller, die auf Cannabisbasis Arzneimittel herstellen, an Großhändler oder Apotheken.

Darüber hinaus wird das medizinische Cannabis aus dem Ausland importiert. Die Menge des importierten Cannabis bleibt bisher hinter dem zurück, was für die medizinische Versorgung benötigt wird. Sofern es um den Import von Cannabis aus Kanada geht, bestehen unter anderem Lieferengpässe. Die Nachfrage in Kanada ist in diesem Jahr eklatant gestiegen, was die Menge verringert, die exportiert werden könnte.

Fokus der Investoren auf Cannabis

Im Jahr 2018 wurden seitens der Vertragsärzte mehr als 185.000 Verordnungen für cannabishaltige Arzneimittel erteilt. Dies zeigt, wie hoch die Nachfrage nach medizinischem Cannabis tatsächlich ist. Und genau aus diesem Grund wird das Wachstumspotential dieses Marktes als extrem hoch eingestuft.

Die drei Unternehmen, denen bereits der Anbau von Cannabis in Deutschland gestattet wurde, haben einen Umsatz in Millionenhöhe in Aussicht. Dies macht es für Investoren besonders interessant, in diesen Markt zu investieren. An dem Berliner Start-Up Demecan sind hälftig die Venture-Capital-Gesellschaft BTOV Partners und die Vermögensverwaltung einer deutschen Unternehmerfamilie beteiligt.

Auch im Bereich des Imports und Vertriebs von medizinischem Cannabis besteht großes Potential. Hier wurde in diesem Jahr das Start-Up Sanity Group ins Leben gerufen. Das Start-Up hat bereits eine Finanzierungsrunde in Höhe eines einstelligen Millionenbetrags abgeschlossen. Zu den Geldgebern zählen Risikokapitalgeber, Fonds und Privatinvestoren.

Fazit

Die Legalisierung von medizinischem Cannabis schafft nicht allein eine neue Versorgungsmöglichkeit schwerstkranker Patienten. In wirtschaftlicher Hinsicht wurde durch diese Gesetzesänderung ein neuer, umsatzträchtiger Markt geschaffen, der für Unternehmen, Start-Ups und Investoren lukrativ ist. Da in Deutschland aktuell noch eine Unterversorgung mit medizinischem Cannabis zu verzeichnen ist, ist in den nächsten Jahren ein hohes Wachstum des Marktsegments zu erwarten.

Wir freuen uns über Ihr Feedback und Ihre Anregungen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.