In den letzten Monaten lässt sich vermehrt feststellen, dass im Bereich der KV Hessen Anästhesisten, die regelmäßig mit Augenärzten zusammenarbeiten, intensiv mit Plausibilitätsprüfung konfrontiert werden. Auffallend bei dieser Art der Prüfung ist, dass die Plausibilitätsprüfung letztlich nur ein Aufhänger ist, um eine Überprüfung der Leistungsziffer 31822 (Kombinationsnarkose) zu ermöglichen. Spätestens mit dem Regressbescheid und seiner textbausteinartigen Begründung wird klar, dass die aktuellen Plausibilitätsprüfungen letztlich nur Mittel zum Zweck sind, um erhebliche Regresse aufgrund einer vermeintlich fehlerhaften Verwendung der Ziffer 31822 geltend zu machen.

Dass die Ziffer 31822 im Zusammenhang mit Katarakt-OPs immer dann abgerechnet werden kann, wenn der Leistungsinhalt vollumfänglich durch den Anästhesisten erbracht wurde, wurde bis vor kurzem noch von der KVH vertreten und auch von dieser auf Nachfrage ausdrücklich empfohlen. Noch heute lässt sich feststellen, dass die Abrechnungshinweise der Kassenärztlichen Bundesvereinigungen ausdrücklich die Möglichkeit der Abrechnung der Ziffer 31822 enthalten.

Offensichtlich hat sich still und heimlich die Auffassung der KVH geändert, so dass nunmehr Regresse rückwirkend über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren geltend gemacht werden. Also für eine Zeit, in der die KVH selbst den Anästhesisten die Abrechnung der neuerdings beanstandeten Ziffer empfahl. Im Laufe dieses Jahres gerieten eine Vielzahl von Anästhesisten nahezu zeitgleich in eine Plausibilitätsprüfung, in der letztlich die Leistungserbringung der Ziffer 31822 beanstandet wurde. Auffallend bei der Beanstandung ist vor allem, dass schlichtweg nicht auf die Leistungsbeschreibung der Ziffer eingegangen wird, sondern lediglich mit Pauschalaussagen zu Wechselzeiten und Medikamentenmengen argumentiert wird.

Was einen derartigen Sinneswandel bewirkt hat, lässt sich derzeit nicht nachvollziehen. Unabhängig vom Grund des Vorgehens sollten sich betroffene Anästhesisten umgehend an einen in derartigen Verfahren erfahrenen Juristen wenden. Letztlich drohen betroffenen Anästhesisten nicht nur erhebliche Regresszahlungen, sondern in der nächsten Ebene auch weitere Verfahren. So werden regelmäßig nach Plausibilitätsprüfungen strafrechtliche Ermittlungsverfahren gegen die betroffenen Ärzte angestrengt. Dass es sich hierbei nicht nur um eine theoretische Möglichkeit handelt, zeigt die aktuelle Situation. So wurden im Zusammenhang mit den aktuellen Plausibilitätsverfahren bereits erste Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Da für die betroffenen Anästhesisten nicht nur Regresszahlungen über einen Zeitraum von vier Jahren, sondern darüber hinaus auch strafrechtliche Konsequenzen möglich sind, stellt die aktuelle Situation für viele Ärzte eine konkrete sowohl wirtschaftliche als auch strafrechtliche Bedrohung dar. Fakt ist, dass eine Plausibilitätsprüfung kein Verfahren darstellt, das ein Arzt alleine und ohne sachkundige Hilfe durchführen sollte. Erfahrungsgemäß gehen viele Ärzte davon aus, dass sich derartige Angelegenheiten durch ein einfaches kollegiales Gespräch mit der KV klären lassen. Diese wohlmeinende Auffassung birgt aber erhebliche Risiken und kann im schlimmsten Fall existenzbedrohend werden. Spätestens nach Durchführung einer Plausibilitätsprüfung und/oder eines strafrechtlichen Verfahrens wird der Arzt wissen, dass diese sog. Kollegen nicht immer nur sein Bestes wollen. Daher gilt es, auf bestmögliche Art und Weise für ein solches Verfahren gerüstet zu sein!

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