Approbationsentzug auch mehrere Jahre nach dem vorgeworfenen Verhalten noch möglich

Approbationsentzug auch mehrere Jahre nach dem vorgeworfenen Verhalten noch möglich

Der Approbationsentzug – für alle Ärzte und Zahnärzte eine der schwer wiegenden Konsequenzen, die ein Fehlverhalten haben kann. Berufsrechtlich stellt er die härteste Sanktion dar. Über die Voraussetzungen eines Approbationsentzugs und einzelne Urteile berichteten wir hier bereits mehrfach. Nun hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg, das zu diesem Thema übrigens schon fast regelmäßig Entscheidungen trifft, erneut einen bemerkenswerten Beschluss erlassen.

Approbationsentzug wegen nachhaltigen Betrug

Da die Würdigkeit sowie die Zuverlässigkeit eines (Zahn)Arztes Voraussetzungen sind, diesem die Approbation zu erteilen, ist der Wegfall eines dieser Eigenschaften im Umkehrschluss Anlass, dem jeweiligen Arzt die Approbation wieder zu entziehen, das heißt die Approbation zu widerrufen. Die Unwürdigkeit wird zum Beispiel dann festgestellt, wenn ein Arzt wegen eines nachhaltigen Betruges verurteilt wurde, wie dies auch im dem Beschluss des OVG Lüneburg zugrunde liegenden Sachverhalt der Fall war.

Nach Approbationsentzug besteht grundsätzlich die Möglichkeit, die Würdigkeit und damit auch die Approbation wieder zu erlangen. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts setzt die Wiedererlangung der Würdigkeit voraus, dass sich an der zum Widerruf führenden Sachlage nachweislich etwas zum Guten geändert hat, also der Arzt das für die Ausübung seines Berufes erforderliche Ansehen und Vertrauen zurückerlangt hat (BVerwG, Beschl. v. 15.11.2012 – BVerwG 3 B 36.12 -, Buchholz 418.00 Ärzte Nr. 113; Beschl. v. 23.7.1996 – BVerwG 3 PKH 4.96 -, juris Rn. 3). Dies erfordert regelmäßig einen längeren inneren Reifeprozess zur Kompensation der zu Tage getretenen charakterlichen Mängel (vgl. Senatsurteil v. 11.5.2015 – 8 LC 123/14 -, juris Rn. 57; Senatsbeschluss v. 10.6.2015, a.a.O., Rn. 78; Sächsisches OVG, Urt. v. 13.3.2012, a.a.O., Rn. 31 und 37).

In Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Fortdauer einer die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft ausschließenden Berufsunwürdigkeit und des Bundessozialgerichts zur erforderlichen Dauer eines Wohlverhaltens für die Wiedererteilung einer entzogenen Vertragsarztzulassung (vgl. BSG, Urt. v. 17.10.2012 – B 6 KA 49/11 R -, juris Rn. 49: mindestens fünf Jahre nach Wirksamwerden der Entziehung der Vertragsarztzulassung) erachtet der Senat einen Reifeprozess von regelmäßig mindestens fünf Jahren bei gravierenden Verfehlungen außerhalb des beruflichen Wirkungskreises und von regelmäßig mindestens acht Jahren bei gravierenden Verfehlungen im beruflichen Wirkungskreis für erforderlich. Maßgeblich für den Beginn des Reifeprozesses ist der Zeitpunkt, in dem die zur Annahme der Berufsunwürdigkeit führenden gravierenden Verfehlungen durch den jeweiligen Arzt eingestellt worden sind, gleich ob dies auf dessen freiwilligen Willensentschluss oder auf einer Aufdeckung und Ahndung der Verfehlungen durch Dritte, insbesondere Strafverfolgungs- oder Approbationsbehörden, beruht. Der Senat geht dabei in seiner ständigen Rechtsprechung davon aus, dass die durch eine gravierende Verfehlung eingebüßte Berufsunwürdigkeit bereits während des laufenden behördlichen Verfahrens über den Approbationsentzug wieder erlangt worden sein kann (vgl. etwa Senatsbeschluss v. 17.2.2015, a.a.O., Rn. 52; v. 23.7.2014 – 8 LA 142/13 -, juris Rn. 38 f.). Dem liegt die Annahme zugrunde, dass der zur Kompensation der zu Tage getretenen charakterlichen Mängel erforderliche Reifeprozess ein tatsächlicher Vorgang ist, der in der Regel bereits mit der Aufgabe der gravierenden Verfehlungen einsetzt und nicht eine behördliche oder gar gerichtliche Bestätigung der Verfehlung und einen damit verbundenen Appell zur Läuterung voraussetzt.

Wiedererlangung der Würdigkeit

Andererseits bedeutet dies nicht, dass ein bloßer Zeitablauf für die Wiedererlangung der Würdigkeit ausreicht (vgl. BVerwG, Beschl. v. 16.7.1996 – BVerwG 3 B 44.96 -, Buchholz 418.00 Ärzte Nr. 95). Denn durch den Approbationswiderruf wegen Unwürdigkeit soll nicht das bisherige Verhalten des Arztes durch eine zeitliche Verhinderung der Berufsausübung sanktioniert, sondern das Ansehen der Ärzteschaft in den Augen der Öffentlichkeit geschützt werden, dies freilich nicht als Selbstzweck, sondern um das für jede Heilbehandlung unabdingbare Vertrauen der Patienten in die Integrität der Personen aufrecht zu erhalten, denen mit der Approbation die staatliche Erlaubnis zur selbständigen Ausübung der Heilkunde verliehen ist, und in deren Behandlung sich die Patienten begeben (vgl. eingehend Senatsbeschluss v. 3.2.2015 – 8 LA 2/14). Die Würdigkeit zur Ausübung des ärztlichen Berufs besteht daher erst dann wieder, wenn der Arzt das erforderliche Ansehen und Vertrauen zurückerlangt hat, mithin wenn nach einer Gesamtwürdigung aller Umstände nicht mehr zu besorgen ist, dass dessen selbstständige Berufstätigkeit das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Berufsstand nachhaltig erschüttern könnte (vgl. BVerwG, Beschl. v. 15.11.2012, a.a.O.). In die danach gebotene Gesamtwürdigung ist zum einen die Dauer des Reifeprozesses einzustellen, zum anderen insbesondere die Art, Schwere und Zahl der Verfehlungen, die zur Annahme der Unwürdigkeit geführt haben, und das Verhalten des jeweiligen Arztes nach der Aufgabe oder Aufdeckung der Verfehlungen (etwa seine Mitwirkung an der Aufklärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe, seine Einsicht in das verwirklichte Unrecht und seine Bemühungen um eine Wiedergutmachung entstandener Schäden sowie das Ausbleiben erneuter, mit Blick auf die Würdigkeit zur Ausübung des ärztlichen Berufs relevanter Verfehlungen) zu berücksichtigen.

In dem Sachverhalt, den das OVG Lüneburg mit Beschluss vom 23.09.2015 (Az.: 8 LA 126/15) zu entscheiden hatte, hatte sich der Arzt eines Betruges in elf Fällen schuldig gemacht. Mit Urteil vom 14. Februar 2012 verurteilte ihn das zuständige Amtsgericht wegen Betruges in elf Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren. Das Amtsgericht stellte fest, dass der Arzt unter dem Vorwand der Beteiligung an einer Privatstation in einem Krankenhaus bei zwei verschiedenen Banken die Gewährung von Darlehen in Höhe von jeweils 200.000 € erwirkte und die Auszahlung der Darlehensbeträge an sich unter Vorlage von Rechnungen, die gar keinen realen Hintergrund hatten oder andere Verbindlichkeiten betrafen, veranlasste. Bei Kenntnis der wahren Sachlage hätten die Banken keine Auszahlungen veranlasst. Der Vermögensschaden resultierte aus der wirtschaftlichen Wertlosigkeit der Darlehensrückzahlungsansprüche.

Widerruf der Approbation

Den Widerruf der Approbation begründete die zuständige Kammer damit, dass ein Arzt, der seine berufliche Stellung zur Gewährung von Darlehen in sechsstelliger Höhe ausnutze, um die Darlehensmittel zweckwidrig zur privaten Zins- und Schuldentilgung zu verwenden, sein Ansehen und das Vertrauen in der Bevölkerung verspielt habe. Der Annahme einer Unwürdigkeit stehe nicht entgegen, dass die Verfehlungen nicht den Kernbereich ärztlicher Berufspflichten beträfen.

Der für die Wiedererlangung der Würdigkeit erforderliche Reifeprozess konnte frühestens mit Aufdeckung des Sachverhalts durch die Banken im Jahre 2009 zu laufen beginnen und war daher im entscheidenden Zeitpunkt des Erlasses der Widerrufsverfügung im Jahre 2013 noch nicht abgelaufen. Daher führte auch die inzwischen beanstandungsfreie Berufsausübung und die Wiedergutmachung des Schadens nicht zur Wiedererlangung der Würdigkeit.

Fazit zum Widerruf der Approbation

Auch wenn die stattgefundene Verfehlung Jahre zurückliegt und zwischenzeitlich der ärztliche Beruf beanstandungsfrei ausgeübt und der entstandene Schaden wieder gut gemacht wurde, reicht dies allein nicht aus, um eine Wiedererlangung der Würdigkeit nach einem Widerruf der Approbation zu begründen. Vielmehr ist ein Reifeprozess erforderlich, wobei regelmäßig fünf bzw. acht Jahre nach Aufdeckung des entscheidenden Sachverhalts eine Abwägung der Gesamtumstände vorzunehmen ist und dabei Art, Dauer und Schwere der Verfehlungen sowie das Verhalten des jeweiligen Arztes nach Aufgabe oder Aufdeckung der Verfehlungen zu berücksichtigen sind.

If you think compliance is expensive… try non-compliance!

If you think compliance is expensive… try non-compliance!

Die Bundesregierung hat dem Bundestag ihren Gesetzesentwurf zum Gesetz zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen (sog. Antikorruptionsgesetz) vorgelegt. Im Februar 2016 wird dieses Gesetz final im Bundestag und Bundesrat beraten, so dass das Gesetz aller Voraussicht nach noch im 1. Quartal 2016 in Kraft treten wird.

Warum kommt dieses Gesetz?

Zahnärzte und Ärzte „Gatekeeper“ des Umsatzes von Wirtschaftsunternehmen im Gesundheitsmarkt. Diese Schlüsselrolle im System der gesetzlichen Krankenversicherung bietet einen starken Anreiz für Einflussnahmen auf das Verordnungsverhalten der Behandler – z.B. durch die Pharmaindustrie, Medizinproduktehersteller oder sonstige Anbieter im Gesundheitsmarkt.

Auch in der Vergangenheit war eine solche Einflussnahme häufig schon rechtswidrig. Und daher wurden solche Zuwendungen z.B. durch fingierte Leistungsbeziehungen verschleiert (z.B. Vortragstätigkeit, Beraterverträge, Mietverträge).

Aus Sicht des Bundesgerichtshofes und der Bundesregierung deckten die bisherigen Vorschriften den Unrechtsgehalt solcher Korruption nicht hinreichend ab.

Da aber diese Art der Korruption „medizinische Leistungen verteuert und das Vertrauen von Patienten in die Integrität heilberuflicher Entscheidungen untergräbt“ 8so der Gesetzgeber), wird nun die Sanktionsschärfe deutlich erhöht. Die Annahme bzw. das Versprechen von Vorteilen wird zukünftig mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft. In schweren Fällen ist eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vorgesehen.

Zukünftig erfüllt jede Verletzung der berufsrechtlichen Pflicht zur Wahrung der heilberuflichen Unabhängigkeit zugleich den neuen Straftatbestand. Aber was bedeutet das konkret?

– Was wird vor diesem Hintergrund künftig strafbar sein?
– Was bleibt auch zukünftig erlaubt und wo ist die Grenze zum Strafrecht?
– Welche Formen der Zusammenarbeit zwischen Behandlern aber auch zwischen Behandler und mit der Industrie bleiben weiterhin erlaubt?

Compliance Management ist wichtiger als je zuvor

Es ist dringend anzuraten, dass Angehörige der Heilberufe sich mit diesen Fragen auseinandersetzen. Das Gesetz ist sehr weit gefasst, so dass zu befürchten steht, dass Handlungen ins Fadenkreuz der Ermittlungsbehörden geraten, die bislang als unproblematisch betrachtet werden. Auch die Hersteller von Heil- und Hilfsmitteln und Medizinprodukten werden ihre Vertriebssysteme und Kundenbindungssysteme dahingehend überprüfen müssen, ob diese mit dem neuen Gesetz in Einklang zu bringen sind. Das Thema Compliance im Gesundheitswesen gewinnt damit erneut an Aktualität.

In jedem Fall sollten Sie in Zukunft „Unrechtsvereinbarungen“ vermeiden, die von dem neuen Straftatbestand erfasst sind. Dies erfordert zum einen ein  Problembewusstsein und zum anderen die Inanspruchnahme externer Beratung. Wir haben uns auf die Beratung in Bezug auf das Antikorruptionsgesetz seit langem vorbereitet. Jetzt, wo es ernst wird, stehen wir Ihnen als Ansprechpartner und Compliance-Berater gerne zur Verfügung.

If you think compliance is expensive… try non-compliance!

Bundeskabinett verabschiedet Korruptionsgesetz gegen Bestechung im Gesundheitswesen

Bundeskabinett verabschiedet Korruptionsgesetz gegen Bestechung im Gesundheitswesen

Das Bundeskabinett hat am 29. Juli 2015 den Gesetzesentwurf für die Einführung neuer Straftatbestände der Bestechlichkeit und der Bestechung im Gesundheitswesen (§§ 299a, 299b StGB) den Weg gebracht sowie die Anwendbarkeit Strafverschärfung für besonders schwere Fälle auf die Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen erstreckt.

Korruptionstatbestände des Strafgesetzbuches

Hintergrund dieser Gesetzesinitiative ist eine Entscheidung des Großen Senats des Bundesgerichtshofs vom 29. März 2012, der festgestellt hatte, dass die bestehenden Korruptionstatbestände des Strafgesetzbuches (StGB) nicht auf niedergelassene, für die vertragsärztliche Versorgung zugelassene Ärzte anwendbar sind. Nach Auffassung des Gesetzgebers sind aber die berufs- und sozialrechtliche Zuwendungsverbote und Sanktionen sowie brancheninterne Initiativen der Medizinprodukte- und Pharmaindustrie zur Prävention und Bekämpfung korruptiven Verhaltens nicht ausreichend und machen eine strafrechtliche Regelung nicht entbehrlich. Um diese Strafbarkeitslücke zu schließen, hat sich der Gesetzgeber dazu entschlossen, neue Straftatbestände einzuführen, wodurch Bestechung und Bestechlichkeit im Gesundheitswesen auch für niedergelassene Ärzte strafbar werden sollen. Wir hatten hierüber bereits mehrfach berichtet (u.a. Artikel vom 22.07.2013 und 09.02.2015).

Zur Begründung der Notwendig neuer Straftatbestände führt der Gesetzgeber aus, dass einzelne Fälle korruptiver Praktiken im Gesundheitswesen immer wieder Gegenstand von sozialgerichtlicher, wettbewerbs- und berufsgerichtlicher sowie strafgerichtlicher Rechtsprechung gewesen seien. Zu nennen seien beispielsweise Prämienzahlungen von Pharmaunternehmen an Ärzte, mit denen das Verschreibungsverhalten zugunsten eines bestimmten Präparats beeinflusst werden solle. Darüber hinaus seien auch Fälle bekannt geworden, in denen Zuwendungen für die Zuführung von Patienten oder von Untersuchungsmaterial, beispielsweise an eine Klinik, an ein Sanitätshaus oder an ein Labor geleistet worden seien. Auch Fälle, in denen unter Umgehung der geltenden Preisvorgaben auf Bezugs- und Abgabeentscheidungen von Apothekern eingewirkt werde, um unlautere Wettbewerbsvorteile zu erlangen, seien aus der Praxis bekannt. Die Schlüsselstellung von Ärzten und Apothekern im Gesundheitswesen beruhe vor allem auf der Verschreibungs- und Apotheken-pflicht für Arzneimittel sowie auf der Berechtigung zur Verschreibung von Arzneimitteln. Insbesondere die pharmazeutische Industrie sei damit für den Absatz ihrer Produkte wesentlich auf ärztliche und pharmazeutische Verordnungs- und Abgabeentscheidungen angewiesen. Auch nicht-ärztliche Heilberufsgruppen sowie Hersteller von Medizinprodukten seien regelmäßig davon abhängig, dass Ärzte die von ihnen angebotenen Leistungen verordnen und sie an der Behandlung von Patienten beteiligen würden. Dies gelte umso mehr als die Erstattungsfähigkeit nicht-ärztlicher Leistungen regelmäßig eine ärztliche Verordnung voraussetzte. Damit liege insbesondere bei der Ärzteschaft eine Lenkungsfunktion von erheblicher volkswirtschaftlicher Bedeutung.

Daher hat das Bundeskabinett nunmehr die Vorschriften des § 299a und § 299bStGB auf den Weg gebracht, die den Straftatbestand der Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen einführen. Diese Straftatbestände sollen gewährleisten, dass heilberufliche Verordnungs-, Abgabe- und Zuführungsentscheidungen frei von unzulässiger Einflussnahme getroffen werden.

Die in § 299a StGB geregelte Strafbarkeit der Bestechlichkeit im Gesundheitswesen soll nicht nur für Ärzte gelten, sondern für sämtliche Angehörige von Heilberufen, die für die Berufsausübung oder die Führung der Berufsbezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung erfordern. Das bedeutet, dass sowohl Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und Apotheker als auch die sogenannten Gesundheitsfachberufe wie z. B. Gesundheits- und Krankenpfleger, Ergotherapeuten, Logopäden und Physiotherapeuten unter die neue Vorschrift fallen.

Der Tatbestand des § 229a erfasst das Fordern, Sich-Versprechen-Lassen oder Annehmen eines Vorteils, wobei unter den Begriff des Vorteils sämtliche Vorteile fallen, unabhängig davon, ob es sich um materielle oder immaterielle Zuwendungen handelt und ob es sich um einen Vorteil für den Täter oder einen Dritten handelt. Daher können ausweislich der Gesetzesbegründung beispielsweise auch Ehrungen und Ehrenämter unter den Vorteilsbegriff fallen. Darüber hinaus könnten auch Einladungen zu Kongressen, die Übernahme der Kosten von Fortbildungsveranstaltungen oder die Einräumung von Vermögens- oder Gewinnbeteiligungen dazu zählen. Ein Vorteil könne zudem grundsätzlich auch im Abschluss eines Vertrages liegen, der Leistungen an den Täter zur Folge hat, und zwar selbst dann, wenn diese nur das angemessene Entgelt für die von ihm selbst aufgrund des Vertrags geschuldeten Leistungen seien. Demnach könne auch in der Verschaffung von Verdienstmöglichkeiten, die beispielsweise in der Teilnahme an einer vergüteten Anwendungsbeobachtung und im Abschluss eines Behandlungsvertrags zu sehen sind, ein Vorteil liegen. Die Beteiligung an einem Unternehmen im Gesundheitswesen könne ebenfalls zu Zuwendungen von Vorteilen im Sinne von § 299a StGB führen. Eine unzulässige und strafbare Verknüpfung zwischen Unternehmensbeteiligung und medizinischen Entscheidungen könne dann vorliegen, wenn ein Arzt einem Unternehmen, an dem er selbst beteiligt ist, einen Patienten zuführe und er für die Zuführung des Patienten wirtschaftliche Vorteile, etwa eine Gewinnbeteiligung, erhalte. Dieselben Gesichtspunkte seien bei der Zuweisung von Untersuchungsmaterial zur Durchführung von Laboruntersuchungen zu beachten.

Das bloße Annehmen eines Vorteils ist zur Tatbestandsverwirklichung allerdings nicht ausreichend. Der Täter muss den Vorteil vielmehr als Gegenleistung für eine zumindest intendierte unlautere Bevorzugung im Wettbewerb oder für einen ebenfalls zumindest intendierten Verstoß gegen seine berufsrechtliche Pflicht zur Wahrung seiner heilberuflichen Unabhängigkeit fordern, sich versprechen lassen oder annehmen. Es bedarf daher einer sogenannten Unrechtsvereinbarung durch die Verknüpfung von Vorteil und Gegenleistung.

Der Gesetzgeber hat zwar auf Kritik der Ärzteschaft am Referentenentwurf reagiert und in die Gesetzesbegründung aufgenommen, dass soweit Verdienstmöglichkeiten im Rahmen der beruflichen Zusammenarbeit eingeräumt werden, zu berücksichtigen sei, dass die berufliche Zusammenarbeit gesundheitspolitisch grundsätzlich gewollt sei und auch im Interesse des Patienten liege. In diesem Zusammenhang nennt der Gesetzgeber Kooperationsvereinbarungen über die Durchführung von vor- und nachstationären Behandlungen (§ 115a SGB V), über die Durchführung ambulanter Behandlungen (§ 115b SGB V) und über die Durchführung ambulanter spezialfachärztlicher Versorgung (§ 116b SGB V) sowie die in den §§ 140a SGB V ff. geregelte sektorenübergreifende Versorgungsform (integrierte Versorgung), bei der Leistungserbringer aus verschiedenen Versorgungsbereichen (beispielsweise Arzt und Krankenhaus) bei der Behandlung von Patienten miteinander kooperieren. Die Gewährung angemessener Entgelte für die in diesem Rahmen erbrachten heilberuflichen Leistungen und dementsprechend die Verschaffung entsprechender Verdienstmöglichkeiten seien zulässig.

Dennoch verbleibt viel Unsicherheit. Kritisiert wird vor allem, dass nach wie vor nicht eindeutig sei, wann Korruption beginne. Auch die enthaltene Formulierung im Gesetzestext, zur Bestechung oder Bestechlichkeit könne auch die Verletzung der „berufsrechtlichen Pflicht zur Wahrung der heilberuflichen Unabhängigkeit“ gehören, sei durch die weite Auslegungsmöglichkeit nicht eindeutig.

Bestechung und Bestechlichkeit im Gesundheitswesen werden nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält. Dabei sind jedoch nicht nur betroffene Mitbewerber und ggf. auch Patienten antragsberechtigt. Vielmehr kommt den Kassenärztlichen Vereinigungen, den Ärztekammern sowie den gesetzlichen und privaten Krankenversicherern eine Schlüsselstellung zu. Sie haben nach den neuen Vorschriften ebenfalls das Recht, Strafanträge gegen ihre Mitglieder zu stellen. Im Referentenentwurf waren die Kassenärztlichen Vereinigungen noch nicht erwähnt. Ob dies zur Folge hat, dass Strafanträge gestellt werden um Anrechnungskonflikte zu lösen bleibt abzuwarten.

Der von der Bundesregierung verabschiedete Entwurf geht zunächst in das parlamentarische Verfahren, so dass mit einem Inkrafttreten der Straftatbestände Anfang 2016 gerechnet werden muss. Daher sollte bereits jetzt bestehende Kooperationen sowohl zwischen Ärzten bzw. Zahnärzten als auch von Ärzten bzw. Zahnärzten mit Angehörigen von Gesundheitsfachberufen sowie mit der Medizinprodukte- und Pharmaindustrie auf den Prüfstand gestellt werden. Auch Vertriebs- und Kundenbindungssysteme von Medizinprodukteherstellern und pharmazeutischen Unternehmen müssen vor dem Hintergrund der neuen Straftatbestände erneut bewertet werden. Sobald die Regelungen in Kraft treten, ist – nicht zuletzt aufgrund der Medienpräsenz der Thematik – damit zu rechnen, dass die Staatsanwaltschaften bestehende Modelle unter die Lupe nehmen werden.

TOP-Zahnarzt-Seminar zum Praxismarketing im August

TOP-Zahnarzt-Seminar zum Praxismarketing im August

Sie sind Zahnarzt und möchten das Marketing Ihrer Praxis auf ein neues Level heben?  Dann begleiten Sie uns zu einem exklusiven Zahnarzt-Seminar vom 13. – 16. August 2015 nach Mallorca.

Gemeinsam mit Flemming Dental und der Agentur M:Consult präsentieren wir Ihnen ein ein 3 1/2 – tägiges Seminar zum Thema „Praxismarketing“.

Um eine intensive und effiziente Zusammenarbeit zu garantieren, ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Ziel des Seminars ist zum einen die gemeinsame Entwicklung neuer Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen und zum anderen die Förderung des Austausches zwischen innovativen und erfolgreichen Praxen aus ganz Deutschland.

Wenn Sie unsere Seminare auf Mallorca noch nicht kennen, hier eine kleine Impression: Weiterlesen

Seminare 2015 für Ärzte und Zahnärzte

Seminare 2015 für Ärzte und Zahnärzte

Seit vielen Jahren bieten wir regelmäßig Zahnarzt Seminare an, deren Themen daran ausgerichtet sind, Sie in Ihrer erfolgreichen Praxisführung zu unterstützen. Wenn Sie wirklich inspirierende Fortbildungsmöglichkeiten suchen, um sich unternehmerisch weiter zu entwickeln, dann laden wir Sie ein, sich einmal unser Seminarprogramm 2015 genauer anzuschauen. Insbesondere möchten wir Sie hinweisen  auf unsere Zahnarzt-Seminare, die wir auch 2015 wieder gemeinsam mir unserem Kooperationspartner M:Consult an besonderen Orten veranstalten:

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Rezension : Bundesmantelvertrag Ärzte, Kommentar zum gemeinsamen BMV-Ä von Dr. Herbert Schiller

978-3-8114-3334-2

Dr. Herbert Schiller: Bundesmantelvertrag Ärzte, Kommentar zum gemeinsamen BMV-Ä; bearbeitet von: Christoph Altmiks, Stefan Hochgesang, Jörg Hofmayer, Dr. Herbert Schiller, Dr. Gernot Steinhilper und Helga Trieb, erschienen im C.F. Müller Verlag Heidelberg 2014

„Einen Kommentar zu Bestimmungen zu verfassen, die z.T. bisher noch nicht kommentiert sind und zu denen es auch keine – den Bundestagsdrucksachen und Bundesratsdrucksachen vergleichbare – Materialien gibt, und auch kaum Rechtsprechung, war für die Autoren eine reizvolle Herausforderung.“

heißt es im Vorwort der Autoren. Gerade das Fehlen an aussagekräftigen Materialien zum Bundesmantelvertrag Ärzte macht den in der Reihe Medizinrecht erschienenen Kommentar sowohl für Studierende, aber für im Bereich des Vertragsarztrechtes Tätige, wertvoll. Dank der Arbeit der Autoren steht dem Rechtsanwender ein kompaktes und zugleich ausführliches Nachschlagewerk zur Seite. Weiterlesen

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