Knapp eine Woche ist seit der Wahl vergangen und plötzlich merkt Frau Merkel, dass sie doch nicht so richtig gewonnen, sondern ihre Mehrheit verloren hat. Die Koalitionsverhandlungen scheinen jedenfalls spannender zu werden als der vorangegangene Wahlkampf.

Und im Gesundheitswesen fragt man sich natürlich, wer jetzt Bundesgesundheitsminister wird. Die Favoriten wollen wir kurz vorstellen: 

Als gesundheitspolitischer Sprecher der Union hat Jens Spahn gute Chancen auf den Ministerposten. Er ist mit 33 Jahren der jüngste in der Reihe der von uns genannten Favoriten. Was er gesundheitspolitisch will, ist schwer abzuschätzen. Spiegel Online schrieb einmal über ihn:

Man kann Spahn eine gewisse Chuzpe bei seinen Talkshow-Auftritten nicht absprechen. Seine nassforsche und lautstarke Art vermitteln vielleicht sogar den Eindruck, es mit einem kritischen Kopf zu tun zu haben. Aber wenn man seinen Appellen genau zuhört wie bei Jauch („Bitte nicht grundsätzlich das System in Frage stellen!“) oder wenn man seine Gesetzesinitiativen liest, bei denen er die Wünsche der Pharmaindustrie umsetzt, weiß man, dass er einer jener Politiker ist, die an den Missständen im Prinzip nichts ändern wollen.

Ein weiterer Aspirant im Falle einer großen Koalition ist Professor Dr. Karl Lauterbach (50). Bekannt wurde er als Berater von Ulla Schmidt.

Die wichtigste von Lauterbach vertretene These zur Gesundheitspolitik ist sicher die Einführung einer Bürgerversicherung im Gesundheitswesen.

Die Zeit charakterisiert ihn wie folgt:

Lauterbach polarisiert, die meisten finden ihn entweder großartig oder gefährlich. Er ist gegen die privaten Krankenkassen und für eine Bürgerversicherung, ein einheitliches System für alle. Er findet die Ärzte mit ihren Klagen über schwindende Einkommen „peinlich“ und die Thesen des amerikanischen Philosophen John Rawls einleuchtend: Nicht alle sind gleich, also sollen auch nicht alle gleich behandelt werden. Die Schwächsten müssen bevorzugt werden.

Sollte es überraschender Weise zu einer schwarz/grünen Koalition kommen, ist die derzeit noch weitgehend unbekannte Birgitt Bender (56)  als Bundesgesundheitsministerin denkbar. Auch sie steht für die Bürgerversicherung und fordert härtere Gesetze zur Bekämpfung der Korruption im Gesundheitswesen. Was gegen Frau Bender spricht ist die Tatsachen, dass Sie über kein Bundestagsmandat mehr verfügt (was aber auch keine Notwendigkeit ist, um zum Minister ernannt zu werden). Bender stand bei der Wahl auf Listenplatz 11, doch die Südwest-Grünen dürfen nach ihrem schwachen Abschneiden nur zehn Kandidaten in den Bundestag schicken.

Tja, und um den noch amtierende Gesundheitsminister Daniel Bahr brauchen wir uns keine Sorgen machen. Bahr hat verlauten lassen, er wolle sich Zeit nehmen, zur Neuorientierung. Das kann er sich auch leisten. Mit 36 Jahren erhält er nach Berechnungen des Bund der Steuerzahler nun ein Übergangsgeld in voller Höhe seines Gehaltes, also 14.000 Euro monatlich. Drei Monate in voller Höhe, danach die Hälfte, zwei Jahre lang. Hat er vorher einen neuen Job, wird das Gehalt verrechnet.

Auch im Alter ist Bahr schon jetzt abgesichert. Er hat bereits nach vier Jahren als Minister Anspruch auf 28 Prozent seines Gehaltes, sobald er das Rentenalter erreicht hat. Der Steuerzahlerbund spricht von 4000 Euro monatlich. Unsere Sorge gilt also auch weiterhin eher der Frage, wer denn der neue Gesundheitsminister wird…

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