Angesichts der großen Koalition hatten wir mit dem gesundheitspolitischen Sprecher der Union Jens Spahn oder mit Professor Dr. Karl Lauterbach als neuem Gesundheitsminister gerechnet. Auch Ursula von der Leyen hätte man sich erklären können, schloss sie doch ihr Medizinstudium 1987 ab und promovierte 1991. Zudem war sie von 1996 bis 2002 als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Friedrich Wilhelm Schwartz in der Abteilung für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover tätig. 2001 erwarb sie dort den akademischen Grad eines Master of Public Health (MPH).

Tatsächlich ist es nun Hermann Gröhe geworden. Gesundheitspolitisch ein unbeschriebenes Blatt. Bis heute kann man auf seiner Internetseite http://www.hermann-groehe.de/ keine einzige gesundheitspolitische Aussage finden.

Themen wie Bedarfsplanung, zahnmedizinisches MVZ (im Koalitionsvertrag vorgesehen), ärztliche Honorare, Krankenhausfinanzierung und ähnliches, dürften ihm bislang gänzlich unbekannt gewesen sein und vermutlich waren sie ihm auch weitgehend egal.

Wer ist Hermann Gröhe? Nun, zunächst ist er ein typischer Berufspolitiker. Gröhe war von 1989 bis 1994 Bundesvorsitzender der Jungen Union und ist seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages. 1994 beendete er auch seine juristische Ausbildung. Tatsächlich hat Gröhe also nie etwas anderes gemacht als Politik.

Dass er dabei bislang keine Bezüge zur Gesundheitspolitik hatte, kann jedoch auch ein Vorteil sein. Denn zumindest steht Gröhe nun nicht im Verdacht, irgendwelchen Lobbyisten im Gesundheitswesen nahe zu stehen. Diese Unabhängigkeit kann sein großer Trumpf werden.

Die (bisherige) fachliche Unkenntnis werden seine beamteten Staatssekretär und Abteilungsleiter ausgleichen müssen.

Daher sind diese Personen mindestens so wichtig, wie die Personalie Gröhe. Staatssekretär, Patientenbeauftragter und Beauftragter der Bundesregierung für Pflege wird Karl-Josef Laumann. Laumann ist bisher CDU-Fraktionschef im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Er bringt Erfahrung in der Gesundheitspolitik und in der Führung eines Ministeriums mit, denn er war von 2005 bis 2010 Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW.  Das wird allerdings nicht der einzige Grund gewesen sein, warum Gröhe ihn mit nach Berlin nimmt. Denn vielmehr beendet Gröhe, der ja ebenfalls aus NRW kommt, damit auch einen Streit in der Landes-CDU, in der der dortige CDU-Chef Armin Laschet mit Herrn Laumann um die Fraktionsführung im Düsseldorfer Landtag gestritten hatte.

Die operative Leitung des BMG soll als beamteter Staatssekretär Lutz Stroppe übernehmen.

Als Parlamentarische Staatssekretärin im Amt bleibt Annette Widmann-Mauz (CDU). Sie hat dieses Amt bereits seit seit 2009 inne. Seit 2002 ist Annette Widmann-Mauz gesundheitspolitische Sprecherin und seit dem 29. November 2005 auch Vorsitzende der Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Zweite Parlamentarische Staatssekretärin wird die bisherige stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Ingrid Fischbach.

In jedem Fall beherrscht Gröhe den politischen Betrieb und weiß politische Prozesse zu managen. Was aber gesundheitspolitisch von ihm zu erwarten ist, das kann zum jetzigen Zeitpunkt wohl noch nicht mal er selbst seriös beantworten. Geben wir ihm also erst Mal 100 Tage Zeit. Danach werden wir seinen Einstieg in die Gesundheitspolitik kritisch bewerten…

Jens Spahn, den wir für diese Personalie favorisiert hatten, hat übrigens seine eigene Meinung zur Berufung Gröhes. Auf seiner Facebook-Seite schrieb Spahn am Sonntagabend „Expect the unexpected. And when it happens keep a stiff upper lip.“

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