Seit Freitag können viele Ärzte die in der Vergangenheit Brustimplantate des inzwischen insolventen französischen Herstellers Poly Implant Prothèse (kurz PIP) eingesetzt haben wieder ruhiger schlafen. Grund hierfür lieferte das LG Karlsruhe, welches am 07.06.2013 zwei Urteile aus Februar ( LG Karlsruhe vom 8. Februar 2013 Az. 7 O 94/12) und Mai (LG Karlsruhe vom 29. Mai 2013 Az. 8 O 260/12) veröffentlichte.

Mit diesen Urteilen wies das Landgericht durch zwei unabhängige Kammern die Klage zweier Frauen ab, die sich 2007 Implantate des besagten Herstellers in einer Klinik in Karlsruhe hatten einsetzen lassen. Zur Begründung ihres Urteils verwiesen beide Kammern darauf, dass sich die Ärzte auf die Zertifizierung des Herstellers hätten verlassen können. Im Jahre 2007 habe es noch keine Anhaltspunkte dafür gegeben, die Qualität der PIP Implantate in Frage zu stellen.

Erst nachdem sich Berichte über geplatzte und undichte Silikonkissen häuften, stoppten die französischen Behörden im April 2010 den Vertrieb der PIP Implantate. Der TÜV Rheinland zog seine Zertifizierung für die Implantate im Sinne des Medizinproduktegesetzes sogar erst im Monat Mai zurück. Erst am 6. Januar 2012 gab es dann vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Empfehlung die PIP Implantate wieder entfernen zu lassen, da sich nicht vorhersagen ließ, ob und wann es Probleme mit den Implantaten gab, die – wie erst später bekannt wurde – anders als Implantate seriöser Anbieter, für den Menschen potentiell gefährliches, jedoch kostengünstigeres Industriesilikon enthielten. Die französische Gesundheitsbehörde Direction générale de la santé hatte zwar bereits 2001 bei Kontrollen von Silikon Implantaten des Herstellers PIP erhebliche Abweichungen festgestellt, jedoch erst nach einer Häufung von Meldungen 2010 bei einer intensiveren Kontrolle der PIP Produktion das fehlerhafte bzw. falsche Silikon entdeckt. Da 2007 mithin noch keine Anhaltspunkte für eine unzureichende Qualität der Implantate bestanden, konnten die Ärzte auf die Zertifizierung nach dem Medizinproduktegesetz vertrauen und mussten die Qualität nicht etwa selbst in Frage stellen.

Damit dürfte für gleichgelagerte Fälle eine Haftung der Ärzte ebenso ausgeschlossen sein. Wie die Gerichte bezüglich der anderen Beteiligten, wie zum Beispiel dem Hersteller des Silikons, entscheiden werden bleibt jedoch abzuwarten.

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